Der Umstieg

Der Schritt von der klassischen Maltechnik hin zum digitalen Malen wirkt für viele zunächst wie ein Bruch mit vertrauten Gewohnheiten. Tatsächlich eröffnet er jedoch einen erweiterten Raum für Kreativität. Wer bereit ist, die eigenen Vorbehalte gegenüber »digitaler Technik« beiseitezulegen, entdeckt schnell, dass es nicht um einen Ersatz, sondern um eine Ergänzung geht, um neue Werkzeuge, die das eigene künstlerische Repertoire erweitern. Der Abschied von der klassischen Malerei muss ja auch nicht endgültig sein. Wer den Geruch und die Athmosphäre des Ateliers vermisst, kann ja, genau wie ich seinen Malplatz im Atelier einrichten.

Ölpinsel

Voraussetzung für ein überzeugendes digitales Malerlebnis ist natürlich ein Programm, das mehr kann, als nur farbige Flecken auf dem Bildschirm zu erzeugen oder mathematisch perfekte Kurven zu ziehen. Entscheidend ist, dass das optische Ergebnis dem realen Malen möglichst nahekommt und dass sich die Werkzeuge natürlich anfühlen. Nach langen Versuchen habe ich schließlich Rebelle von Escape Motions entdeckt – und genau genommen hat mich ein einziger Pinselstrich überzeugt. Erst später stellte sich heraus, dass dieses Programm nicht nur Öl- und Acrylfarben simuliert, sondern auch Aquarell in einer Qualität, die ihresgleichen sucht. Rebelle 8 ist kein gewöhnliches Malprogramm, sondern ein Pinsel- und Materialsimulator von bemerkenswerter Präzision und Vielfalt.

Aquarell

Natürlich braucht es ein wenig Einarbeitung. Grundlagen wie Ebenen oder die geniale Möglichkeit, jeden Schritt sofort rückgängig zu machen, gehören dazu. Ebenso wichtig ist ein geeignetes Eingabegerät. Lange Zeit kam ich mit einem einfachen Grafiktablett ohne Display aus. Erst in diesem Jahr bin ich auf ein Huion-Display-Tablet umgestiegen – eine günstige Gelegenheit, die ich genutzt habe. Das Training, mit Druck auf einer Fläche zu malen und das Ergebnis an einer anderen Stelle zu sehen, hat meine Auge‑Hand‑Koordination spürbar verbessert. Der Umstieg auf ein Display-Tablet war dann fast schon ein natürlicher nächster Schritt.

Trotz aller technischen Unterstützung bleibt das digitale Malen ein echter Neubeginn.

Blatt mit Tropfen (Aquarell)

Ich fühlte mich an die frühen Jahre meiner eigenen Malentwicklung erinnert, als jeder gelungene Schatten ein kleines Erfolgserlebnis war. Genau dieses Gefühl – das Wiederentdecken des Lernens, des Staunens, des Fortschritts – sollte man bewusst genießen. Es ist ein Teil des künstlerischen Weges, der im digitalen Medium eine neue, frische Form findet.

Ich habe bewusst darauf verzichtet, sofort alle Einstellungen auszuprobieren. Die besten Erfahrungen habe ich gemacht, indem ich Rebelle 8 zunächst im frisch installierten Zustand nutzte  ohne Ballast, ohne Perfektionismus, einfach mit Neugier.